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Dienstag, 21.August 2018

"Pflanzer von Genf bis Buchs willkommen" mehr

EU-Zuckermarktordnung

In einem Schiedsspruch von 2005 forderte die WTO die EU auf, ihre Zuckerausfuhren um annähernd 5 Mio. Tonnen zu senken, da sie mit ihrem subventionierten Zucker den Weltmarktpreis künstlich senkte. Die EU, bis anhin die weltweit zweitwichtigste Zuckerexporteurin, sah sich damit gezwungen, ihre Zuckermarktordnung grundlegend zu ändern. Sie griff zu folgenden Massnahmen:

  • Senkung der Rübenpreise um 39.7 % und der Zuckerpreise um 36 %
  • Reduzierung der Rübenproduktion im Rahmen eines Strukturfonds
  • Teilweiser Ausgleich der Einkommensverluste für die Zuckerrübenanbauer

Diese Reform der Zuckermarktordnung zeigte nach nur 3 Jahren bereits drastische Auswirkungen. So wurde die Anbaufläche in der EU um 32 % (700'000 Hektaren) gesenkt und insgesamt 80 Zuckerfabriken von ursprünglich 186 schlossen ihre Tore. Die Anzahl Pflanzer sank um 45 % auf. Fünf Länder haben ihre Zuckerproduktion gar vollständig aufgegeben.

Diese Massnahmen haben bewirkt, dass die EU heute zur Nettoimporteurin von Zucker geworden ist. Mit dem Ziel die Selbstversorgung wieder zu erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, hat die EU auf 2017 die Aufgabe der Zuckerquote und der Exportbeschränkungen beschlossen. Bereits im Vorfeld der Quotenaufhebung wird der Anbau ausgedehnt. Einzelnen Ländern unterstützen den Zuckerrübenanbau mit Beiträgen.

Doppelnullabkommen mit der EU

Durch die bilateralen Abkommen mit der EU (Bilex II) ist die Schweizerische Zuckerwirtschaft direkt abhängig von derjenigen der EU. Die so genannte Doppelnull-Lösung schreibt vor, dass auf verarbeitetem Zucker, der zwischen der Schweiz und der EU gehandelt wird, weder Importhemmnisse noch Ausfuhrbeihilfen ausgesprochen werden dürfen. Um die Schweizer Nahrungsmittelindustrie bei ihren Exporten nicht zu benachteiligen und die Volumen Schweizer Zucker zu erhalten, soll der Schweizer Preis auf vergleichbarem Niveau wie der EU Zuckerpreis liegen. So hat auch die Reform der EU-Zuckermarktordnung direkte Auswirkungen auf die Schweizer Zuckerpolitik. Um die Preissenkungen zu kompensieren, werden seit 2008 für den Anbau von Zuckerrüben spezifische Flächenbeiträge ausgerichtet.

 
TYPO3 Agentur